Die medizinische Infrastruktur im Gazastreifen ist infolge des Konflikts zwischen Israel und der Hamas weitgehend zerstört. Laut Berichten von "Al Jazeera" und der Nachrichtenagentur "Drop Site" sind etwa 80 Prozent der Zahnkliniken ganz oder teilweise vernichtet worden. Zudem wurden im Verlauf des Krieges über hundert Zahnärztinnen und Zahnärzte getötet, was die Verfügbarkeit von Behandlungen massiv einschränkt.
Die Versorgungslage wird durch die israelische Armee verschärft, die den Import von Geräten und Materialien blockiert. Diese werden als sogenannte Dual-Use-Güter eingestuft, da sie potenziell auch für militärische Zwecke genutzt werden könnten. In Kombination mit einem Mangel an Strom, fließendem Wasser und Medikamenten müssen einige Zahnärzte ihre Patienten unter prekären Bedingungen in Zelten behandeln, da die Mieten für verbleibende Gebäude exorbitant hoch sind.
Die wirtschaftliche Not zwingt viele Bewohner zu drastischen medizinischen Entscheidungen. Die 22-jährige Nour Abo Shamala, die fünfmal vertrieben wurde, konnte sich eine Wurzelbehandlung für 300 Schekel (ca. 90 Franken) nicht leisten, obwohl die Kosten vor dem 7. Oktober 2023 bei lediglich 80 Schekel gelegen hätten. Da Schmerzmittel kaum verfügbar waren und bei ihr eine Magenentzündung auslösten, versuchte sie, die Schmerzen mit Salzwasser zu lindern.
Ähnlich verhielt es sich bei dem 34-jährigen Ahmed Abo Dan, der ebenfalls aus dem Norden vertrieben wurde. Er musste sich zwischen einer Wurzelbehandlung für 450 Schekel (ca. 130 Franken) und dem Ziehen des Zahnes für 30 Schekel (ca. 9 Franken) entscheiden. Da er kaum Geld für Brot für seine Kinder aufbringen konnte, lieh er sich die 30 Schekel von einem Freund, um den Zahn im Juli ziehen zu lassen.



